Wir werden ein Team

Die Kinder kommen zu Beginn der fünften Klasse aus unterschiedlichen Schulen in eine für sie neue Klassensituation. Sie müssen sich in ihrem neuen sozialen Umfeld orientieren und in die neue Gemeinschaft integrieren. Ergänzend zu der  Umsetzung des schuleigenen Kommunikationskonzeptes werden deshalb in diesem Projekt Aspekte der Ausprägung von Sozialkompetenz besonders begleitet. Dabei lernen die Mädchen und Jungen über den Weg der Selbsterkenntnis auch, den Anderen zu tolerieren. Gezielt wird die Stärkung der Individualität jedes einzelnen Schülers über künstlerische Prozesse gefördert, die kontinuierlich im Schulalltag integriert werden.  So wird die Darstellung des Ichs über Bewegung/Tanz/Visualisierung realisiert bzw. durch die Inszenierung eines Tanztheaterstückes, pantomimische Versuche, Bewegungsaufgaben für das Team oder individualisierte Darstellungen künstlerisch zum Ausdruck gebracht. Die Präsentation und Reflexion der im Rahmen des Projekts entstandenen Ergebnisse wird am Ende des Schuljahres in einer Performance unter dem Motto „Wir sind ein Team“ sichtbar. Projektbegleitend werden fotografische bzw. Videodokumentationen erstellt, die zunehmend von den Schülern selbst geschaffen werden, da dieses Projekt eng mit dem Projekt „Schulalltag vor der Linse“ verknüpft ist. Beide Projekte werden in der Klassenstufe 6 fortgesetzt.

teambildung

Projekt Lernkultur: Wir werden ein Team

Das Projekt „Wir werden ein Team“ ist in drei Module unterteilt.

Modul 1: Kennenlernphase

Modul 2: Erarbeitung einer Performance/ eines Theaterstückes durch Sprache, Bewegung und Tanz, in dem der Prozess des Zusammen-wachsens portraitiert wird

Modul 3: Präsentation und Dokumentation

Modul 1 wird in den Klassenleiterstunden, im Kommunikations- und Kunstunterricht durchgeführt. In diesem Modul lernen sich die Schüler in ihren neuen Klassen kennen. In der ersten Schulwoche gestalteten sie in ihren Unterrichtsäumen „Wandzeitungen“/Poster, auf denen sie ihre einzelnen oder gemeinsamen Ziele und Wünsche festhalten.

Einige Schüler schrieben hierzu folgende Zeilen:

  • Ich wünsche mir neue Freunde.
  • Ich wünsche mir, dass niemand ausgegrenzt wird.
  • Das Abitur.

Im Kunstunterricht erhielten die Schüler die Aufgabe ein Gruppenbild (von jeweils vier Schülern) zu fertigen. Jeder Schüler malte zu Beginn mit seinen Lieblingsfarben auf sein Blatt. Anschließend gab er es an den nächsten Schüler weiter, bis alle Bilder von jedem Schüler der Gruppe einmal reihum bearbeitet wurden. In den Teams von meist vier Schülern entstanden so vier Einzelbilder, die noch lange kein Gruppenbild ergaben. Nun stand die Aufgabe an, aus diesen vier individuellen Gestaltungen ein gemeinsames Bild zu fertigen. Ähnliche Farben und Formen wurden genutzt, um eine Bildeinheit – ein Teambild zu gestalten. Manchmal gelang das nur mit Mühe – in einigen Gruppen fast mit Leichtigkeit. Der Entstehungsprozess und die Ergebnisse reflektierten die Schüler wie folgt:

  • „Zuerst haben wir nicht gut zusammengearbeitet, jeder hat Seins gemacht. Aber dann wurden wir ein richtig gutes Team. Unser Bild ist auch richtig toll geworden.“
  • „Wir sind eine farbenfrohe Gruppe, die viel Fantasie hat.“
  • „Unser  Gruppenbild ist wild, durcheinander. Es sind Kreise, Wellenlinien und Punkte enthalten mit viel Blau, Orange und Grün. Oft haben wir uns beraten, was zusammen passt.“
  • „Von unserem Bild her sind wir sehr fantasievoll, weil jeder etwas anderes in dem Bild sieht. Wir haben uns gut verstanden. Manchmal war einer mutiger oder etwas ängstlicher – das sieht man auch auf dem Bild.“
  • „Die Jungs sind wild.“
  • „Jedes Bild war anders. Es kommt ja auch jeder aus einer anderen Grundschule. Aber dann haben wir gut miteinander gearbeitet.“

Im Kommunikationsunterricht wurden auf spielerische Art und Weise die Namen der Mitschüler wiederholt. Besonders spannend und interessant empfanden die Schüler die Interviewmethode. Dabei befragten sich die Schüler paarweise nach ihren Familien, Hobbys, Lieblingsfächern usw. und stellten oft erstaunliche Übereinstimmungen fest.

Ein Schülerkommentar:

  • „Die Stunde hat mir einen neuen Freund gebracht.“

Eine Lehrerin beschreibt ihre Eindrücke…

„Wir werden ein Team“ oder „Die Fünfer setzen neue Maßstäbe“

Eigentlich ist es üblich, dass unsere Schüler selbst Beiträge über Aktivitäten in der Schule schreiben. Aber so viel Lob muss von anderer Seite kommen und über tolle Beiträge von unseren 5.-Klässlern bei der Abschlussveranstaltung „Wir werden ein Team“ staunten nicht nur die Klassenlehrer.

Seit Beginn des Schuljahres lernen die Schüler der Klassen 5a, b und c im „Lessing Gymnasium“. Aber auch außerhalb dieses Unterrichts im Klassenverband waren sie in verschiedenen Bereichen musikalisch, kreativ und sportlich in den Kulturstunden aktiv und haben das Ziel „Wir werden ein Team“ offensichtlich erreicht, wie die gelungene Präsentation am 11.07.2012 in der Kufa bewies.

Die Darbietungen der Schüler zeigten nicht nur sehr interessante Einblicke in die verschiedenen klassenübergreifenden Kulturstunden. Sehr eindrucksvoll für mich als „Planer“ dieser Veranstaltung waren die außerordentliche Einsatzfreude, Hilfsbereitschaft und Kreativität der Schüler. Besonders wenn man bedenkt, dass fast alle Gruppen ohne die Hilfe der Lehrer auskommen mussten, die das ganze Jahr mit ihnen gearbeitet und auch dieses Projekt mit vorbereitet hatten, sehe ich dies als einen wesentlichen Grund für den Erfolg der Veranstaltung. So führten zum Beispiel „Die kleinen Redakteure“ mit selbst entwickelten Szenen kurzweilig durch das Programm, mit tollen Ideen und  Requisiten waren sie das Bindeglied zwischen den Einzelbeiträgen. Kurzfristige Ausfälle von „Rollen“ wurden von anderen mit einer Selbstverständlichkeit übernommen, die von echtem Teamgeist zeugt. Frau Zschech kann echt stolz auf ihre Truppe sein. „Die kleinen Tänzer“ beeindruckten mit ihrer dargebotenen Choreographie und Tanzfreude, obwohl auch hier die betreuende Lehrerin Frau Bormann nicht anwesend sein konnte. Hier stimmte der Einsatz im doppelten Wortsinn und die Freude an der Bewegung war den Mädchen anzusehen. „Die kleinen Künstler“ hatten eigenständig die begonnenen Handpuppen zu Hause fertiggebastelt (Vielen Dank an die nähenden Muttis und Omas!) und stellten dem Publikum ihre Figuren mit selbst erdachten Texten vor. Die „schrägen Vögel“ aus Pappmaché waren ja schon einmal im Rahmen der Schülergalerie im Lausitzcenter ausgestellt worden und schwebten nun über der Theke des Saales. Ein großes Lob auch an diese Gruppe, die ebenfalls ohne Betreuung durch Frau Blazejczyk ihren Beitrag souverän meisterten. „Die kleinen Musiker“ spielten auf ihren Keyboards und wurden dankenswerterweise von Frau Joel unterstützt (sie übernahm auch den Transport und Aufbau der Instrumente) und ließen sich auch von einem kleinen Patzer nicht aus dem Konzept bringen. Einfach mit einem Lächeln noch einmal von vorn beginnen – eine Haltung, auf die Frau Michael, die betreuende Lehrerin, stolz sein kann. Einen musikalischen Beitrag gab es auch von der Klasse 5a. Gemeinsam mit der Klassenlehrerin Frau Graumüller ließen die Schüler eine klasse Klassen- Percussion erklingen. Ein Hörspiel zum alten Rom moderierten „Die kleinen Historiker“ selbst und kippten kurzerhand das Konzept, das Frau Lehnig, die ebenfalls z.Z. auf Klassenfahrt war, vorgeschlagen hatte. So flitzte Herbert aus der 5a nach seiner Moderation zu Karsten Held, damit der Teil des Hörspiels zur Darbietung gebracht wurde, auf den die Schüler sich vorbereitet hatten. So gab es einen Einblick in die Recherche der Gruppe und einen Teil des Hörspiels. Dirk Lienig von der Kufa zeigte zwei Streifen der „Kleinen Filmemacher“, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden. Für Heiterkeit sorgten die Filme: „Yoschzylla“ und „Der Einbruch“. Dramatik auf unterschiedliche Art und Weise inszeniert, gekoppelt mit passender Kameraführung, Filmschnitt und Filmmusik vermittelten ebenso wie die schauspielerische Leistung der „Filmproduzenten“ oder dem zum Leben erweckten Lego- bzw. Plüschfiguren einen Eindruck von der Arbeit dieser Gruppe. Dass die Schüler Spaß an diesem Projekt hatten, war offensichtlich. „Tanz und Bewegung“ – ein Konzept, mit dem Dirk Lienig im Laufe des Schuljahres versuchte, unsere Schüler in einer etwas anderen Form zu einem Gemeinschaftsgefühl zu bringen, in dem jeder aber eine individuelle Rolle spielt und Anerkennung gewinnt – war Inhalt eines weiteren Filmes. In dem Zusammenschnitt vieler kleiner Sequenzen wurde auch hier das Selbstbewusstsein unserer „Neuen“ deutlich, das aus großen und kleinen Erfolgen resultiert. Aus dem Stegreif stellten die „Kleinen Schachspieler“ und die „Kleinen Handballer“  sich und die Aktivitäten ihrer Gruppen vor und zeigten damit, dass sie problemlos in der Lage sind, flexibel und selbstbewusst zu reagieren. Lobenswert waren die „Disziplin“ des Publikums und das gezeigte Interesse an den Beiträgen der jeweils anderen. Wie schon beim vorangegangenen Kulturnachmittag setzten unsere 5.-Klässler mit ihrer Einsatzfreude und einem mit gesundem Selbstbewusstsein präsentierten Können neue Maßstäbe.

Ein besonderer Dank geht an die Mitarbeiter der Kufa – besonders an Karsten Held und Dirk Lienig, die wie immer zum guten Gelingen solcher Veranstaltungen beigetragen haben, und unseren Schülern beliebte Außenpartner und Unterstützung für viele Projekte sind. Auch an alle beteiligten LehrerInnen geht ein großes Dankeschön. Ohne die intensive Vorbereitung und Betreuung der Schüler im Vorfeld wäre diese Veranstaltung nicht zu einem solchen Erlebnis für Schüler und Gäste geworden.
I. Richter

 

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