GEWI-Profil: Medien & Macht

Medien und Macht

Seit dem Schuljahr 2012/13 bietet das Lessing-Gymnasium Hoyerswerda das gesell-schaftswissenschaftliche Profil an. Der Lehrplan der Klasse 8 beinhaltet im Lernbereich 2 das Thema „Medien und Macht“, bei dessen Behandlung bot sich die Zusammenarbeit mit dem Soziokulturellem Zentrum Kulturfabrik e. V. Hoyerswerda an, da diese Einrichtung über ausgebildetes Personal und technische Ausrüstung verfügt, um im Ergebnis oben genannter Thematik durch die Schüler einen Kurzfilm repräsentieren zu lassen. Ziel ist es, dass sie praktische Erfahrungen sammeln, welche Wirkungen ge-zielt beim Betrachter erzeugt werden können und diese Fähigkeit im eigenen Umgang mit Medien wahrzunehmen und zu hinterfragen. Dadurch, dass sie kreativ in der Medienwelt tätig werden, wird durch das Fach ein Beitrag zum Erwerb von Medienkompetenz geleistet.

Praktische Unterstützung erhielt dankenswerterweise unsere Schule durch die Kulturfabrikmitarbeiter Herr Held und Herr Lienig, die jeweils in einem Zeitraum von 4 Wochen eine Gruppe von 18 Schülern betreute. Sie vermittelten ihnen dreimal wöchentlich im obligatorischen Unterricht, aber auch nach spontaner Schüleranfrage, wie ein Drehbuch geschrieben, die Kamera gehandhabt und schließlich der Film bearbeitet wird.
Letztlich erhielt jeder Schüler einen Zusammenschnitt aller Filmbeiträge als DVD überreicht, den sie ihren Eltern und Freunden in einer Abendveranstaltung in der Kulturfabrik erläuternd darboten.
S. Koark, Fachlehrerin des Gesellschaftswissenschaftlichen Profils.

 

Dienstag, 07.05.2013

Heimspiel für Staatssekretär Fiedler

Lessing-Gymnasiasten zeigten dem gebürtigen Hoyerswerdaer Filme – selbst gedreht für mehr Medienkompetenz.

Hoyerswerda. Für Hartmut Fiedler ist jede Reise nach Hoyerswerda ein Heimspiel. Der sächsische Staatssekretär für Wirtschaft und Arbeit wurde hier vor knapp 45 Jahren geboren. Gestern war er mal wieder hier. Es ging um Europa und deshalb wollte er mit jungen Leuten ins Gespräch kommen. Das Lessing-Gymnasium wurde auserkoren. Eine Gesprächsrunde mit den Zehntklässlern und zuvor Filmegucken bei den Achtklässlern. Nichts Europaspezifisches freilich, sondern etwas, was die Schüler jeweils in kleinen Teams auf die Beine gestellt haben. All jene, die das Profil Gesellschaftswissenschaften gewählt hatten, sind im Filmprojekt integriert, was wiederum Teil des Ganztagsangebotes „Auf dem Weg zur Kulturschule“ ist. Hier arbeiten KuFa und Gymnasium besonders eng zusammen.

In den Filmen ging es um Alltägliches, um Dinge, die die Gymnasiasten bewegt und damit eben auch um ein ganz normales Stück Alltag in Deutschland, in Europa. Da wurde die Geschichte zweier junger Angler und ihrer „Mission Karpfen“ erzählt, die sich am Ende trotz aller Schwierigkeiten über ordentliche Fische freuen konnten. Der Streifen „Good bye“ erzählte von zwei besten Freundinnen und wie schnell man sich, obwohl man sich doch mag, verletzen kann, wenngleich man das so eigentlich gar nicht wollte. Und in „Kleider machen Leute“ zeigten die Nachwuchsfilmemacher, dass es überzeugende Hochstapler auch heute noch spielend leicht haben können. Aber mit ehrlicher Reue kann man unter Umständen doch noch die Herzen derer wahrhaft erobern, die man zuvor angeschwindelt hat.

Hartmut Fiedler war von den Filmen angetan: „Das waren schon choreografierte Kurzfilme, nicht bloß Videoclips.“ Die jungen Filmemacher hatten von den KuFa-Filmleuten Dirk Lienig und Karsten Held eine Menge gelernt, sind den Weg vom Konsumenten zum Produzenten gegangen.

Ein Stück Medienkompetenz wurde vermittelt. Und als Politiker weiß Hartmut Fiedler um die Macht der Medien, als Korrektiv für die, die die Macht haben, wie er sagte. Fiedler suchte das Beispiel nicht in Sachsen, sondern nahm den Afrikanischen Frühling, der ohne Twitter und Co. vielleicht nicht so abgelaufen wäre, wie er ist.

Insofern war es an diesem Vormittag in der KulturFabrik gar nicht so tragisch, dass es nicht um ureuropäische Themen geht. Der Ingenieur Hartmut Fiedler sah das pragmatisch: „Projektarbeit macht das, was man lernt, erlebbar. Das Leben ist nicht in Fächer eingeteilt.“

Was er von der Drosselung der Datenmenge im Internet durch die Telekom halte, will einer der Schüler vom Staatssekretär wissen. „Die Entscheidung ist nicht schön, wirtschaftlich aber nachvollziehbar“, antwortete dieser und stand offenbar voll im Thema. Stunden später würde er in Berlin sein, wo es genau um dieses Thema gehen sollte. Dagegen war der morgendliche Besuch in Hoyerswerda tatsächlich ein Heimspiel. (US)